Vietnam, Ukraine, Syrien, und viele mehr – Patrick, Radreisender und Autor im Interview

Heute berichtet Patrick, den ich über eine Radreise Facebook Gruppe kennengelernt habe, über seine Radreisen in über 30 Länder der Welt und sein neues Buch „Emil Elefantööös“.

Ich stelle dich kurz vor und sage, wie du auf mich gestoßen bist.

Mein Name ist Patrick und wir haben uns im Radreiseforum kennengelernt. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich von meiner Ukraine/Moldawien Reise gepostet und als Radreisender vernetzt man sich ja ganz gern. Auch habe ich bei Amazon dein Buch entdeckt und finde die Idee bis heute noch klasse, ein Kochbuch für die Radreise unterwegs – dank des Internets konnten wir uns auch vernetzen und austauschen.

Siehe auch: Moldawien – Abseits bekannter Wege

Du hast bereits einige Länder mit dem Fahrrad bereist, welches waren deine Highlights und warum?

Ja, mittlerweile sind es seit 2006 an die 30 Länder geworden. Ich bin eher zufällig zur Radreise gekommen. 2005 war ich mit einem Freund in Osteuropa unterwegs – mit sämtlichen Verkehrsmitteln die es gibt. Mit dem Zug von Berlin nach Prag, Budapest, Constanta (Rumänien am Schwarzen Meer), dann weiter nach Theassaloniki (Griechenland) von da bis an die albanische Grenze mit dem Bus – der fuhr weiter Richtung Kroatien und wir mit einem Taxi nachts um 2 Uhr an die albanische Küste nach Saranda. Von da aus ging es dann weiter mit dem Bus bis nach Split (Kroatien) – dort mit einer Fähre auf eine Insel und schlussendlich mit dem Flugzeug wieder zurück nach Berlin. 2006 hatten wir uns dann überlegt, dass wir bisher noch nicht mit dem Fahrrad verreist sind. Wir haben uns dann als Studenten den günstigsten Flug ausgesucht und sind mit dem Fahrrad zurückgefahren. Der günstigste Flug war damals Istanbul – das war dann unsere erste Fahrradreise. Das war schon ein Erlebnis, wir haben anfangs 40-60 km am Tag geschafft und waren fix und fertig am Abend. Durch Bulgarien sind wir mit dem Zug gefahren – der Rest alles per Rad. Da uns die Türkei so gut gefallen hatte, wollten wir unbedingt wieder in die Türkei und noch weiter. Wir hatten uns dann auf Syrien geeinigt – das kannte noch keiner von uns und irgendwie klang es ziemlich spannend einmal durch Syrien zu radeln. Wir sind dann von der Grenze Türkei/Syrien bis nach Damaskus und wieder hoch gen Norden in die Türkei bis nach Kapadokien – Das war bisher mein absolutes Highlight: Syrien. Nirgends habe ich solch offene und freundliche Menschen erlebt wie dort. Wir hatten ja unsere Zelte dabei nur „durften“ wir nicht zelten, da wir regelmäßig bei den Leuten eingeladen wurden. Es gibt darüber auch noch einen Reiseblog:  https://orientradler.wordpress.com/

Es macht mich wirklich traurig zu sehen, wie es nun in diesem wunderschönen Land zugeht.

Da die gemachten Erfahrungen auf dem Rad so beeindruckend waren, ging es seit dem in verschiedene Länder Europas – vermehrt Osteuropa. Auch nach Marokko und Südostasien. 2015 bin ich in 3 Wochen durch Thailand, Laos und Kambodscha geradelt – das war schon beeindruckend. Mir gefallen die Gastfreundschaft der Länder und diese unbekannte Kultur für mich als Europäer – das ist schon beeindruckend. Daher war ich im Dezember 2018/Januar 2019 für 4 Wochen wieder dort unterwegs. Ich bin von Singapur über Malaysia, Thailand, Myanmar, Kambodscha nach Vietnam geradelt – 3200 km in 4 Wochen – das war einfach nur schön und die Länder sind perfekt zum Fahrradfahren – bis auf Myanmar, hier entwickelt sich erst noch eine Infrastruktur – die Menschen sind auf jeden Fall eine Reise wert- an jeder Ecke gibt es tolles Essen, die Menschen sind offen und neugierig und es gibt soviel Neues zu entdecken und nirgends bekam ich so viele Heiratsanträge wie in Süd-Ost-Asien. 

Du hast im Anschluss an deine Reisen das Buch „Emil Elefantööös“ geschrieben. Erzähl uns darüber.

Genau, ich habe jetzt im März mein erstes Buch veröffentlich – ein Kinderbuch zum Thema verkehrssicheres Fahrradfahren für Kinder im Alter 4-7 Jahre.

Ich möchte in ihnen mit „Emil Elefantööös! Geschichten aus der Gartenstraße“ die Begeisterung und die Freude am Fahrradfahren wecken und zeigen, wie viel Spaß es machen kann, ein cooles und verkehrssicheres Fahrrad zu haben. Insbesondere geht es mir um das Dauerthema „Helm aufsetzen“, was aus meiner Sicht unabdingbar ist beim Radeln.

Die Idee hatte ich schon lange – einmal ein Buch schreiben – das es dann ein Kinderbuch wurde, kam auch eher zufällig. Als mein Sohn mit 4 Jahren sein erstes Kinderfahrrad bekommen hat, habe ich ein Kinderbuch gesucht, was ihm auf spielerische Art die notwendigen Verkehrssicherheit-Basics näher bringt, also was ist alles notwendig an einem Fahrrad – Helm, Licht, Bremse, Klingel und an der Straße nach links und rechts gucken beim Überqueren. Mehr versteht ein 4-jähriges Kind eh noch nicht. Ich habe solch ein Buch nicht gefunden und da hatte ich schon den Gedanken, dass ich das ja auch selber schreiben kann. Es hat dann doch noch 2 Jahre gedauert bis ich das Projekt angegangen bin. Im November 2016 hab ich dann angefangen und dachte: ach, in 4 Wochen bin ich fertig. Gut, es wurden dann doch 2,5 Jahre bis es fertig wurde. „Glücklicherweise“ habe ich in der Zeit jedem von meinem Vorhaben erzählt, so dass ich aus der Nummer auch nicht mehr rauskam – ich war also „gezwungen“ das Buch fertig zu machen. Ich finanziere alles selbst – die Illustratorin, die Lektorin, den Layouter, den Druck, den Distributor für den Online-Vertrieb – alles läuft über mich selbst. In Vietnam und Thailand habe ich auch schon Lesefreunde gefunden, die sich auf die englische und thailändische Fassung freuen 🙂

Das fertige Werk kann sich durchaus sehen lassen – das Buch ist phantastisch geworden. Ein richtig schönes interaktives Vor- und Mitlesebuch für Kinder im Alter von 4-7 Jahren und das Feedback von Eltern, Erziehern und auch Polizisten ist durchweg positiv. Ich geb dazu auch Leseevents und beziehe die Kinder mit in die Lesung ein und vermittle ihnen die sicherheitsrelevanten Basics beim Fahrradfahren und habe dazu auch eine Weltinnovation – das erste Buch-Anguck-Aufwärm-Programm für Kinder – das ist für alle eine Freude und wenn am Ende jedes Kind mit mehr Begeisterung auf sein Fahrrad steigt, dann freut es mich umso mehr.

Hier gibt es das Buch auf Amazon!

Was hast du für dich persönlich von dem Schreiben gelernt?

Mir geht es hierbei um 2 Dinge – zum einen sind in der Geschichte viele autobiografische Elemente dabei. Aus meiner Heimat und auch einige Dinge, die ich mit meinem Sohn erlebt habe, sind auf die Charaktere der Figuren übertragen. Das Buch ist auch eine Art Andenken für meinen Sohn an unsere gemeinsame Vater/Sohn Zeit während seiner Kindheit und seinen ersten Abenteuern auf seinem Fahrrad.

 Zum anderen will ich ihm und auch jedem anderen verdeutlichen – bleib dran an deinen Träumen und Zielen und verwirkliche sie – gib niemals auf, egal was kommt. Sein eigenes Buch in den Händen zu halten ist eines der schönsten und unvergesslichsten Augenblicke im Leben, nach dem Erklimmen eines 50 km Passes mit 20 % Steigung natürlich 🙂

Und insgesamt macht es einfach Spaß, dass was man liebt und gerne macht – wie das Fahrradfahren – in eine witzige Geschichte verpackt und als Buch veröffentlicht.

Mehr Infos gibt es auf www.die-gartenstrasse.de.

Was sind deine künftigen Radreise und Buch Ideen die du verwirkliche möchtest?

Ich plane noch ein Buch zum Thema Sichtbarkeit im Dunkeln und ein Buch zum Thema Bahnfahren mit dem Fahrrad – auch wieder Kinderbücher.

Als nächstes Reiseziel steht bei mir Estland auf dem Plan – im Juni radle ich nach Tallin und plane dort ein Leseevent mit deutsch-sprechenden Kindern.

Ich verfolge auch ein großes Ziel. Von den Buchverkäufen gehen 2 Euro auf ein separates Charity Konto und wenn ein bestimmter Betrag zusammen ist, geht dieser Betrag an eine Stiftung, die Schulen in Afrika baut – denn Bildung ist immer noch das wertvollste und wichtigste Gut für eine positive Entwicklung in der Welt. Ist der Betrag groß genug, wird ein Klassenzimmer nach dem Spender benannt, es wird dann das „Emil Elefantööös“ Klassenzimmer in Afrika und wenn es fertig ist radle ich mit dem Fahrrad hin und geb ein Leseevent. Mal schauen, wo die Schule stehen wird und welche Sprache ich dafür lernen darf.

Vielen Dank Patrick für das geniale Interview und viel Erfolg bei deinen Plänen.

Siehe auch: Das Radreisekochbuch ist da!

Kommentare

  1. Nava

    Sehr beeindruckende Geschichte. Reisen erweitert ja immer den Horizont, aber auf dem Rad ist die Erfahrung sicher noch einmal intensiver. Tolle Idee mit dem Kinderbuch. Ich wünsche dir viel Erfolg damit! 🙂 LG

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