Schweden Radreise mit Kind – Christina im Interview

Christina habe ich aufgrund Ihrer Anfrage zum Kaliningrad Visum kennengelernt. Es entwickelte sich eine schöne Email Freundschaft während ihrer Tour und wir teilten unsere Radreise Erfahrungen. Heute berichtet Christina für alle Blogleser von Ihrer Reise und teilt beeindruckende und inspirierende Bilder zu einer Radreise, die wie Christina beweißt, auch mit dem Kind möglich ist.

Hallo Christina, danke das du heute von deiner Radreise durch Schweden mit deinem Sohn berichtest. Stelle dich doch kurz den Lesern vor.

Hallo an alle Fahrrad Fans, ich heiße Christina, bin 43 Jahre alt und wohne zusammen mit meiner kleinen Familie in Hamburg. Ich fahre gerne Fahrrad, bin allerdings eher selten auf einer richtigen Reise unterwegs. 

Christina, du hast die Tour mit deinem fünfjährigen Sohn unternommen. Was hat dich dazu bewogen diese Tour zusammen zu unternehmen?

Mein Sohn wurde im August 2019 eingeschult und ich wollte vor diesem Ereignis eine längere Zeit mit ihm abseits der Alltagsroutinen verbringen. Geplant waren ursprünglich 12 Wochen Fahrradreise, leider konnten wir aus anderen privaten Gründen nur 8 Wochen unterwegs sein, trotzdem war es eine schöne lange Zeit. Ich bin an der Ostsee, in Rostock, aufgewachsen und fühle mich der Ostsee durch meine Kindheit sehr verbunden, es sollte eine Hommage an die Ostsee werden und eine Rundreise auf dem Ostseeküstenradwanderweg, wo wir an immer wir wollten in die Ostsee springen konnten.

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Du hast bereits einige Länder mit dem Fahrrad bereist, welches waren deine Highlights und warum?

Jedes Land entlang des Ostseeküstenradwanderweges hatte seinen Reiz, es war gut in Schweden anzufangen, die gute Fahrradinfrastruktur kennen zu lernen, das unproblematische Zelten durch das Jedermansrecht. Lettland war eher einsam als Fahrradreisefamilie und dann wurde es Richtung Süden immer voller, die Kuhrische Nehrung mit dem Fahrrad zu bereisen war ein Traum, den ich schon vor einigen Jahren hatte. Russland war durch den kurzfristigen Visumerlass ein spontanes Unterfangen, was ich aber auch nicht missen möchte, obwohles radreisetechnisch schwierig war. In Polen war es auch sehr reizvoll und Danzig ein würdevoller Zwischenabschluss unserer Reise (Nach einer Zugfahrt aus Zeitgründen bis nach Stettin ging es dann erst wieder in Deutschland per Rad weiter). 

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Du bist mit deinem Sohn von der schwedischen Ostküste bis nach Nordöland gefahren und dort über das Baltikum und Kaliningrad bis nach Danzig. Das sind ca. 1.130 Kilometer Welche Eindrücke haben dich am meisten überrascht und was waren deine schönsten Momente?

In Schweden hatten wir ein Hochdruckgebiet erwischt und tagelang blauen Himmel, so dass wir drei Nächte spontan unser Zelt nicht aufbauten, sondern uns eine Burg bauten und direkt unterm Sternenhimmel schliefen, das war auch eine interessante Erfahrung. In Lettland imponierten mir die einsamen Strände mitten im Hochsommer und die schönen vielfältigen Märkte mit mehreren Sorten Kirschen und Erdbeeren in Ventspils und Liepaja. Dem gegenüber stand das pralle Sommertouristenleben in den Küstengebieten Litauens. Die Kuhrische Nehrung war besonders eindrücklich, schade, dass es dort nur einen Zeltplatz gab. In Russland war es für mich persönlich sehr interessant, da ich als Kind Russisch gelernt hatte, aber noch nie vorher dort gewesen war. Es wie ein Ausflug in meine Kindheit, sich in einer vertrauten Sprache und seinem Land zurechtzufinden. Besonders Swetlogorsk habe ich in besonderer Erinnerung, da wo die Steilküste so hoch ist, dass es sogar eine Seilbahn gibt, um zum Strand zu kommen…Dann das viele Bernstein, dass es in Unmengen und allen verschiedenen Darbietungen zu kaufen gab. Es war so eine Fülle in diesem kleinen Ort, die ich aber als sehr positiv empfunden habe.

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Gab es auch harte Tage auf deinen Touren und warum?

Oh ja, es gab viele harte Momente. Gleich zu Beginn der Tour wollte mein Sohn nicht so richtig weiter, sondern am liebsten auf jedem Zeltplatz tagelang bleiben. Nachdem ich ihm einige Tage diesen Wunsch erfüllt habe, ging es irgendwie, doch so wie ich mir die Tour vorgestellt habe, jeden Tag weiter! Auf Öland hatten wir einen Tag richtig Gegenwind und ich hatte mich mit dem Pausen verschätzt und mein Sohn bekam einen gewaschenen Waffelhungeranfall auf dem Fahrrad, den ich Gottseidank aber dann mit Proviant aus der Tasche abfangen konnte. Dann ist mir mein Sohn bei der Hitze einmal vor Müdigkeit auf seinem Fahrrad fast eingeschlafen, dass ich froh war, den Stangensitz in letzter Sekunde vor Abreise zurückmontiert zu haben. So konnte er vorne bei mir unter meiner Obhut mit den Füßen in den Vordergepäcktaschen festgezogen, weiterschlummern. Eine Herausforderung für mich waren dann die Schotterpisten in Lettland, die ich oft aufgrund meiner eher schmalen Trekkingfelgen zu schiebend zurücklegen konnte. Die Alternative waren die im Süden viel befahrene Bundesstraßen auch nicht wirklich. Dort gab es einen ernsten Unfall auf dem Fahrrad meines Sohnes, der gekoppelt an mein Fahrrad irgendwie mit dem Schuh in die Speichen seines Rades gekommen sein musste. Nach einer kurzen Radblockierung konnte ich ihn dann auf dem Seitenstreifen nur mit Schrammen einigermaßen wohlbehalten wieder in den Armen halten…Da hatten wir mehrere Schutzengel mit uns! 

Was hast du für dich persönlich von deiner Reise mit deinem Sohn auf dem Fahrrad gelernt?

Gelernt habe ich auf meiner Reise, mich dem Fluss des Tages anzuvertrauen. Die emotionale Führung zu übernehmen, wenn Zweifel und Unmut hoch kamen und uns am Weiterfahren zu hindern schienen. Mir zu vertrauen, auch auf Wegen abseits der Karte zurechtzukommen und das Vertrauen auf Menschen, die uns begegneten. Wir haben immer Hilfe und Unterstützung von Menschen bekommen, wann immer ich oder wir welche brauchten. Es war auch eine schöne Erfahrung, einmal häufiger einen Menschen zu fragen, anstatt auf dem Navi vom Smartphone rumzugucken. Und letztlich die Erfahrung 8 Wochen nur mit dem minimalsten Dingen zurechtzukommen. Interessant war auch das Kochen mit Holzstöckchen auf dem Hobo, herrlich so eine Pfifferlingpfanne auf einem Holzfeuer gekocht.

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Hast du bereits neue Ideen für eine Tour und welche?

Es sollten ja eigentlich 12 Wochen Fahrradreise sein und die Reise sollte auch über Finnland, Estland und Nordlettland gehen. Diesen nördlichen Teil der Ostseerunde würde ich gerne nachholen. Mal gucken, ob wir diese Sommerferien oder die nächsten dafür reservieren. 

Was sind deine Tipps für alle anderen ambitionierten Fahrradfahrer da draußen?

Es ist toll, Land und Leute auf dem Fahrrad kennen zu lernen! Die Nähe, die dadurch zur Natur und zu den Menschen entsteht ist ganz besonders. Wann immer wenn es Euch in den Füßen krabbelt, auf die Pedalen und los!!!

Vielen Dank Christina für das schöne Interview und deinen Einblick in die Tour zur Radreise durch Schweden mit deinem Sohn. Ich wünsche euch viel Spaß zusammen bei euren künftigen Radreisen.

Lieber Leser, du hast selbst eine atemberaubende Geschichte einer Radreise? Dann lasse uns daran Teilhaben und berichte anderen Fahrradfahrern von deinen Touren!

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