Fünf Jahre Radreise – Interview mit Raimund

Annett und Raimund von www.fahrrad-abenteuer-reisen.de sind im Juli 2015 auf eine Radreise über 5 Jahre gestartet: Europa, Asien, Australien und Südamerika standen auf dem Plan.

Beim Stöbern in anderen Radreiseblogs sind sie auf Rad-Sabbatical gestoßen und wir kamen näher ins Gespräch. Daraus hat sich das folgende Interview entwickelt:

Annett und Raimund, Ihr habt bereits über 40 Länder mit dem Fahrrad bereist, welches waren Eure Highlights und warum?

Mit steigender Zahl bereister Länder fällt es uns zunehmend schwerer, hieraus die Top-Highlights zu benennen. Aber sicher zählen die folgenden Länder dazu:

Iran: Hier haben uns die unglaubliche Gastfreundlichkeit und die vielen einzigartigen Moscheen beeindruckt.

Thailand: Hier begeisterten uns die buddhistische Kultur, die tropische Flora und Fauna und die Straßenküche.

Indien: Wenn man hier auch schnell die Grenze des Erträglichen erreicht, so war Indien für uns dennoch ein Land mit unglaublicher Erlebnisdichte. Die Hindu-Kultur, die Gastfreundlichkeit, die Straßenküche und die vielen außergewöhnlichen Erlebnisse in Verkehr, Tempeln oder der Stadt machten unseren Aufenthalt dort unvergesslich.

Sieh auch: Garda by Bike – Radreisen am Gardasee

Welche Eindrücke haben Euch am meisten überrascht und was waren Eure schönsten Momente?

Von der grenzenlosen Gastfreundlichkeit der Menschen in vielen Ländern waren wir stark beeindruckt. Auch die Erkenntnis, dass viele als gefährlich eingestuften Länder tatsächlich harmlos waren, hatte uns angenehm überrascht.

Zu den schönsten Momenten zählen die Besichtigungen der vielen Sehenswürdigkeiten, aber auch die Vielzahl unerwarteter Erlebnisse: z.B. unser Hochsee-Angeln vor der australischen Küste, der Gleitschirmflug in Kirgistan oder unser Abend in einer Eigenbau-Sauna in Kirgistan.

Siehe auch: Die 5 besten Radreise Camping Tools

Gab es auch harte Tage auf Euren Touren und warum?

Oh ja, einige harte Tage haben wir erlebt:

Der unerbittliche Gegenwind in Patagonien zwang uns tatsächlich an zwei Tagen zur Aufgabe, die türkische Polizei nahm uns des Nachts fest und verhörte uns stundenlang, im Iran mussten wir bei der Ausreise Strafgeld zahlen für einen nicht selber verschuldeten Overstay, im indischen Kolkata haben wir unseren Flieger verpasst, in Armenien wurden wir mit 15 cm Schnee und eisiger Kälte konfrontiert, unsere vergeblichen Versuche, ein China-Visum zu bekommen, hatten uns regelrecht zermürbt und mein Verkehrsunfall in Bolivien hatte mir ein gebrochenes Handgelenk und eine dreimonatige Radel-Auszeit beschert.

Was habt Ihr für Euch persönlich von Euren Reisen auf dem Fahrrad gelernt?

Das Reisen per Fahrrad ist für uns nach wie vor die schönste Art, Land und Leute kennenzulernen. Und wenn wir mit kritischen Situationen konfrontiert wurden, gab es immer eine Lösung und ein Happy End. In dieser Hinsicht ist unser Vertrauen gewachsen. Auch unsere gewagte Entscheidung, für mehrere Jahre aus dem Berufsleben auszusteigen, haben wir bisher nicht bereut.

Habt Ihr bereits neue Ideen für eine Tour und wenn ja, welche?

Afrika stand ursprünglich noch auf unserem Reiseplan für unsere 5-Jahres-Radreise. Weil die Flüge von Südamerika nach Afrika allerdings unbezahlbar teuer sind, haben wir Afrika aufgeschoben. Dieser Kontinent steht auf jeden Fall noch auf unserer Bucket-List.

Mit zunehmendem Alter werden wir uns aber sicher stärker auf Europa konzentrieren. Dort gibt es für uns noch eine ganze Reihe Länder zu entdecken. Und mit knapp unter 60 Jahren zählen wir sicherlich nicht zu den jüngsten Reiseradlern.

Siehe auch: Estland – Eurovelo 10

Was sind Eure Tipps für alle anderen ambitionierten Fahrradfahrer da draußen?

Kauft euch ein stabiles Fahrrad und fahrt einfach los. Kocht unterwegs selber und schlaft im Zelt. Preiswerter und spannender ist Reisen nicht realisierbar. Aber fangt klein an: z.B. mit einer Wochenendtour und nicht mit 3 Monaten Neuseeland. Glaubt vor allem nicht nur den Medien, wenn sie vor der Gefährlichkeit eines Landes warnen, sondern lest die Reiseerfahrungen anderer Radler. Aber verwechselt Unvoreingenommenheit nicht mit Kühnheit. Länder wie Pakistan, Irak oder Syrien sind definitiv kein Revier für unbeschwerte Radreisen.

Siehe auch: Das Fahrrad Camping Kochbuch

Ach ja: Und verzichtet auf ein Reiseblog, wenn es nicht unbedingt euer innigster Wunsch ist. Denn Bloggen und Radreisen unter einen Hut zu bringen, ist nicht gerade einfach 😉

Kommentare

  1. Johannes

    Ich ziehe meinen Hut vor den beiden! So lange so ausdauernd und so weit auf dem Rad zu reisen ist wirklich ein Traum von mir. Allein ein Sabbatical wie deines würde mir schon mehr als zusagen, aber fünf Jahre? Wahnsinn. Vielleicht wird’s in ferner Zukunft ja noch was damit, bis jetzt habe ich für dieses Jahr das Projekt Via Claudia Augusta Radweg von Augsburg nach Trient im Auge (mit Wellnessurlaub-Zwischenstopp im Vinschgau, man gönnt sich ja was), das wird dann eine Weile halten. Und solange es so ausdauerne Radreisende wie dich und die beiden gibt geht mir auch die Inspiration nicht aus, mich noch mehr dahinterzuklemmen und noch weitere Strecken zu fahren 🙂

    Gruß, Hannes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.