Estland – Eurovelo 10

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Hallo Baltikum hier bin ich! Osteuropa liegt hinter mir und den Unfall in Odessa habe ich glücklicherweise unbeschadet überstanden. Einen angenehmen Flug – mit spartanisch verpacktem Fahrrad – später, befinde ich mich nun im nördlichsten Land meiner Reise – in Estland auf dem Eurovelo 10!

Siehe auch: Wie du dein Rad bereit für das Flugzeug machst

 

Tallinn

Ich komme mit dem Flugzeug im hohen Norden an und Regen erwartet mich. Vollkommen egal, denn innerlich begeistert mich die Ankunft trotzdem unglaublich. Bedeutet sie immerhin einen kompletten Wechsel der Landschaft, der Kultur und der Menschen.

Also schnell das Fahrrad entgegengenommen und Gepäcktaschen dran – lets go!

Im Regen fahre ich meiner ersten Unterkunft entgegen. Mit der Hostelworld App habe ich das Mad Monks Hostel gebucht. Beim Check-in gibt es auch schon den ersten Welcome Drink und sofort melde ich mich für den abendlichen Pub Crawl an 🙂

Tallinn beeindruckte mich vom ersten Augenblick an. Das mittelalterliche Flair und die verwinkelten Straßen wirken wie aus einer anderen Zeit. Die absoluten Highlights sind für mich:

Altstadt von Tallinn – Absolut Sehenswert ist ein Rundgang durch die Altstadt. Hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu Entdecken. Die Touristeninformation bietet beinahe jeden Tag eine sogenannte Free Walking Tour an, die euch zu den besten Sehenswürdigkeiten bringt und einen Einblick in die Historie Estlands und deren Einwohner gibt.

III Draakon – Ein Restaurant direkt am Rathausplatz. Das Menü ist überschaubar, denn es gibt hausgebrautes Bier und estländische Wurst mit Brot. Somit ist es eher ein Snack für zwischendurch. Trotzdem hat es mich aufgrund des mittelalterlichen Flairs überzeugt, da es mit Kerzen ausgeleuchtet ist.

 

Die Strecke in Estland

Kilometer: 656 Km
Radstunden: 35:14 Stunden
Höhenmeter: 2.630 Meter

 

Die Touren in Estland

Von Tallinn nach Spitham / 129 km – 560 hm

Der Eurovelo 10 von Tallinn aus bedeutet Komfort. Eine Ausschilderung die seinesgleichen sucht und gut geteerte Fahrradwege. Ein Kontrastprogramm zur Osteuropareise, bei der ich so gut wie immer auf den Landstraßen unterwegs war.

Siehe auch: Bulgarien – Eurovelo 6

Vorbei an hohen Bäumen, die ich so noch nie in meinem Leben gesehen habe, fahre ich über Muraste, Paldiski und Nova nach Spithami. 

Fasziniert vom Panorama, fährt es sich abseits der Straßen sehr gut. Vorbei geht es an hohen Bäumen bis auf einen Campingplatz nahe der Ostküste. Herrlich!

 

Von Spitham nach Säärenina / 101 km – 300 hm

Über Sutlepa und Linamäe fahre ich bis Hapsalu. Den Tag über begleitet mich graues Wetter und teilweise Regen. Mit der Fähre wollte ich die Überquerung auf die Insel Hiiuma machen und dem offiziellen Eurovelo 10 folgen. Davor stoppe ich in einer für das estnische Flair bekannten Stadt: Hapsalu.

Ich decke mich mit Lebensmitteln für den Abend ein. Mit der Fähre bei Rohukula setze ich auf die erste der beiden Inseln über die dem Eurovelo 10 folgen. Gegen Abend klart das Wetter auf und ich treffe unterwegs ein estländisches Pärchen, das gerade am Ende einer Estland Radreise ist.

Angekommen treffe ich beim Zeltaufbau eine Gruppe Estländer, die mich spontan zum Essen und Trinken einladen. Gastfreundschaft auf dem Campingplatz – ein tolles Gefühl in diesem Land zu fahren. Zufrieden und mit vollem Magen schlafe ich in meinem Zelt ein.

Von Säärenina nach Emmaste/ 123 km – 580 hm

Diese Fahrt hat es in sich. Nach dem ereignisreichen Abend mit der estländischen Gruppen merke ich am nächsten Tag, dass die Befestigung einer meiner Ortliebe Taschen gebrochen war. Provisorisch klebe ich eine halbe Rolle Isolierband um die Aufhängung und fahre weiter für die Umrundung der Insel Hiiumaa.

Heftiger Gegenwind bläst mir ins Gesicht und ich komme kaum vorwärts. Bei der Hälfte des Tages komme ich am Ende der Westküste an einen Leuchtturm, der mich bei seinem Anblick kurz die bisherige Strapazen vergessen lässt.

Auf der kompletten Insel gibt es zwar keinen separaten Radweg, dies ist aber aufgrund des sehr geringen Verkehrs nicht notwendig.

Auf dem Rückweg dreht sich das Blatt – Glücksgefühle pur! Denn mit dem starken Rückenwind brause ich mit knapp 40 Km/h auf den Fährhafen bei Emmaste zu!

Zwar verpasse ich die Überfahrt um eine halbe Stunde (siehe Bild für die Überfahrt bei Emmaste), dafür richte ich mich am Campingplatz direkt nebenan ein und verbringe dort eine weitere regenreiche Nacht, bevor es am nächsten Morgen weiter geht.

 

Von Emmaste nach Orrisaare / 127 km – 430 hm

Morgens um 8:15 Uhr nehme ich die Fähre, um von Hiiumaa auf Saaremaa zu kommen. Die morgendliche Fähre ist gut besucht und braucht nur wenige Minuten für die Überfahrt. Die Fahrradmitnahme ist, da die Strecke auch für den Eurovelo 10 folgt, kein Problem.

Angekommen hole ich mir das Frühstück des Tages und treffe auf ein Radfahrerpärchen aus Nürnberg. Alle zwei Jahre fahren Sie eine Radstrecke und dieses Jahr ist Estland an der Reihe. Für eine halbe Tagesfahrt fachsimpeln wir über Ausrüstung, Fahrräder und die besten Radtouren.

Arensburg, estnisch Kuressaare, ist die Hauptstadt der Insel und bietet ein unglaublich schönes Stadtbild. Ich fahre in die Burg und drehe ein paar extra Runden in der Stadt selbst. Im Hinterkopf behalte ich sie mir als künftiges Urlaubsziel.

Den restlichen Tag fahre ich durch Wälder und vorbei an Ackerfläche. Bei Orrisaare nehme ich mir einen kleinen Bungalow als Übernachtungsmöglichkeit und schlafe seit Tallinn das erste mal wieder in einem richtigen Bett wie ein Baby ein.

Von Orrisaare nach Kabli / 176 km – 760 hm

Von Orisssaare nehme ich die Fähre von Sareemaa zurück auf das Festland. Ab dann habe ich heftigen Gegenwind und eine Panne, die kurzfristig stark auf die Stimmung schlägt. Doch kurze Zeit später fahre ich durch Paatsalu, Tostamaa, Pärnu bis nach Kabli an die Grenze zu Lettland, wo mich ein Campingplatz direkt am Meer erwartet. Das entschädigt für die windreiche Fahrt.

Wenige Tage sind vergangen, seitdem ich mich von Tallinn aus, auf dem Weg gemacht habe bis nach Estland. Ich bin enttäuscht, dass ich das Land bereits am nächsten Tag hinter mir lasse. Die Infrastruktur für Fahrradfahrer war deutlich mehr, als ich es erwartet hatte und hinterlässt einen gastfreundlichen und beeindruckten Eindruck. Estland ich komme gerne wieder!

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