Bulgarien – Vom Donauradweg nach Sofia

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Bulgarien. Was weis ich über das Land, das uns so nah ist aber so fern erscheint? Bis zur Einfahrt halten sich die Fakten in Grenzen. Doch das ändert sich sofort mit dem Grenzübertritt. Ich bin fest entschlossen, dieses Land in vollen Zügen zu erkunden, zu er-fahren. Wie sich herausstellen sollte, für beachtliche Anzahl an Kilo- und Höhenmetern. Doch fangen wir von Vorne an…

Bulgarien hat seit seinem EU Beitritt 2007 circa 20 Prozent seiner Bevölkerung verloren, verlassene und verfallene Häuser sind allgegenwärtige Zeugen. Die kommunistische Zeit hat ihre Spuren deutlich hinterlassen, denn überall stehen befremdlich wirkende Denkmäler und Statuen. Das Abenteuergefühl der Reise verstärkt sich, auch aufgrund des Kyrillischen Alphabets. Schilder, Karten, teilweise Ortsnamen lesen – unmöglich!

Sofia, die Hauptstadt Bulgariens, liegt zwar nicht am Donauradweg, trotzdem möchte ich ihr einen Besuch abstatten. Um das zu tun gilt es, das Balkan Gebirge überwinden. Wie schweistreibend der Anstieg war und warum sich ein Ausflug abseits des Donauradwegs lohnt, das erfährst du jetzt!

Donauradweg – Eurovelo 6 – in Bulgarien

Das klare Statement Bulgariens für Radfahrer – keine Radwege! Die uns verkauften Routen des Donuaradwegs sind die normalen Landstraßen ohne Seitenstreifen. Ein Bulgare erzählte mir gar, dass die eigentliche Eurovelo 6 Route die Todesstraße genannt wird aufgrund seiner vielen Verkehrstoten :-/ Okay, das hört sich im ersten Moment vielleicht schlimmer an als es ist. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Route nicht sonderlich befahren ist und die Straßenteilnehmer alle recht vorausschauend fahren. Die Devise lautet – aufpassen wie überall.

Die Strecke Bulgariens:

Kilometer: 1.296 Km
Radstunden: 78:52 Stunden
Höhenmeter: 13.090 Meter

 

Teilstrecke Donauradweg – Sofia

Kilometer: 273 Km
Radstunden: 16:08 Stunden
Höhenmeter: 3.060 Meter

Die Touren in Bulgarien

Von Negotin nach Lom / 106 km – 610 hm

Von Negotin (siehe auch Der Balkan – Serbien und der Donauradweg ), dem letzten großen Ort vor der Grenze zu Bulgarien, geht es bei Bregovo über die Grenze nach Vidin. Was habe ich die Beschilderung in Serbien geliebt! Verfahren war sprichwörtlich unmöglich. Ein Hochgenuss, den ich erst wieder in Bulgarien zu schätzen weis. Schilder? Fehlanzeige! Ohne Navigationssystem oder Karte wäre ich verloren. Anfangs gibt es zwar noch das ein oder andere Schild mit einer „6“, das endet nach ein paar Kilometren jedoch schnell. Jakob begleitet mich noch bis Lom, so navigieren wir uns Gegenseitig ans Ziel.
Direkt nach der Grenze erfasst uns ein Bild der Armut. Verfallen Häuser, streunende wilde Hunde und nach dem Ort an der Grenze eine lange Straße umgeben von nichts. Die Strecke zieht sich, kleine Anstiege aber ansonsten wenig Verkehr und kleine Dörfer in denen uns die Bewohner ansehen wie Aliens 🙂 Angekommen in Lom erhalten wir einen Eindruck kommunister Städtebauweise par excellence. Denkmäler der russischen Armee und Terrassenförmige Parkanlagen schmücken“ die Stadt.
Am Abend gönnen wir uns ein üppiges aber günstiges Abendessen bevor wir in unserem 70er Jahre  Hotel die Nacht verbringen.

Von Lom nach Berkovitza / 78 km – 840 hm

Bereits am nächsten Tag trennen sich die Wege von Jakob und mir. Während er den Donauradweg weiter folgt, biege ich in den Süden ab auf Bulgarien Hauptstadt zu Sofia. Mangels Alternativen fahre ich die Landstraße bis Berkovitza. Die Fahrt ist hügelig und die Straße mäßig bis kaum befahren, jedoch nicht sehr abwechslungsreich. Angekommen tanke ich in einem Hotel Energie, bevor es über das Balkangebirge nach Sofia geht.

Von Berkovitza nach Sofia / 89 km- 1.610 hm

Aufstehen. Zähneputzen. Im Spiegel den eigenen Zustand prüfend wahrnehmen. Die Radklamotten wie eine Rüstung anziehen. In Gedanken nochmal den Proviant durchgehen. Helm auf. Das stählerne Ross besteigen, bereitmachend für die vorerst letzte Schlacht. Und jetzt geh da raus und zeig es diesem verdammten Gebirge! Aaaaaaaarrrhhhh!!

Der Tag beginnt sonnig warm, viel zu schön für einen Kampf wie diesen. Für die nächsten Stunden gibt es nur noch den Berg und mich. Der Anstieg beginnt schleichend, als wollte mich der Balkan langsam an sich gewöhnen, bevor er mit voller Wucht zuschlägt. Die ersten dreihundert Höhenmeter lässt es mich zappeln. Dann. Wie erwartet. Die volle Wucht. Serpentinenangriff! Rechts, links, rechts , links. Wie im Sparring weiche ich den Angriffen aus. Unverhofft erst die kurze, dann die lange Gerade. Zähne zusammen beissen. Ich trinke und weis nicht, was zuerst in meinen Körper muss, das köstliche Nass oder die kalte Luft. Kein Erbarmen. Auf tausend Höhenmetern ist die Hälfte geschafft. Ein gemeines Täuschungsmanöver! Es tut so aus als wäre es am straucheln , doch hinter der nächsten Kurve lauert die nächste Wadenattacke. Die Oberschenkel ziehen. Eintausendzweihundert Meter über dem Meeresspiegel. Meine links -rechts Fußkombination bringt den Feind zum verzweifeln. Die Hände verkrampfen sich am Lenker. Einzausendfünfhundert Meter. Kaum noch Energie. Ich bereite den finale Schlag vor und der Gegner wackelt. Dann – Boom! Mit einer letzten Oberschenkelkombination im Stehen liegt der Gegner letztlich am Boden. Im Kampf gefallen. Ich steige über den Körper ins freie und sehe den blauen Himmel – Sofia – ich komme!

Die Stadt Sofia

Hauptstadt Bulgariens – Sofia. Mit dieser Stadt hatte ich leider etwas pech denn ich durfte sie bis auf die Einfahrt nie ohne Regen erleben. Die kommunistische Architektur ist der Stadt deutlich anzusehen. Bereits beim Einfahren begrüßen einen die Plattenbauten, der Stadtkern ist mit den typisch Terrassenförmigen  Betonanlagen gekennzeichnet. Für das Sighseeing kann ich folgende Empfehlungen geben:

Alexander-Newski-Kathedrale – Ich gebe zu, ich stehe nicht unbedingt auf Kirchen, trotzdem ist der Besuch von außen und von innen zugegeben sehr beeindruckend
Nationaler Kultupalast – Die hier erwähnte Terassenbauweise in Großformat.
Witoscha Gebirge – Top Blick auf die Stadt

Doch das Abenteuer Bulgarien geht weiter. Das Schwarze Meer wartet! Und es sind noch viele Kilometer zu meistern. Wie es zurück auf den Donauradweg geht erfährst du im nächsten Blogpost.

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