Bulgarien – vom Donauradweg ans schwarze Meer

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Wenn du schon einmal eingesperrt warst, dann wirst du dich erinnern, dass es sich wahrscheinlich nicht unbedingt gut anfühlt.
Noch viel weniger, wenn es sich hier um ein Jagdgebiet handelt und du außer Tieren kein anderes Lebewesen siehst. Und du alleine bist….

Was sich wie in einem Horrorfilm anhört ist mir tatsächlich passiert. Das nächste Mal sollte ich einfach dem offenen stehenden Zaun nicht trauen. Wie es dazu kam und warum ich gezwungen war dort zu übernachten, dass erfährst du jetzt.

 

Die Strecke Bulgariens:

Kilometer: 1.296 Km
Radstunden: 78:52 Stunden
Höhenmeter: 13.090 Meter

Teilstrecke Donauradweg – Sofia

Kilometer: 378 Km
Radstunden: 22:44 Stunden
Höhenmeter: 2.790 Meter

Die Touren in Bulgarien

Von Russe nach Sveshtari / 94 km – 1.060 hm

Die Tage in Russe hatten gut getan, denn der Leistungsakku war wieder voll. Wenn ich gewusst hätte, dass er gleich wieder komplett verbraucht wird, wäre ich wohl noch ein paar Tage länger geblieben.

Wie in Bulgarien Standard, fahre ich auch heute wieder auf der Bundes- und Landstraße. Von einem Donau „Radweg“ keine Spur. Der Verkehr hält sich in Grenzen und so fahre ich auf Empfehlung von Stojan aus Russe über Wetowo durch ein eingezäuntes Waldgebiet .

Und die in der Einleitung erwähnte Horrorfilm Situation nahm ihren Lauf. Ich war eingeschlossen! Es gab kein entkommen. Der Ausgang wurde durch einen 3 Meter hohen Zaun mit massivem Schloss verriegelt. Umgehen war nicht möglich. Alle Seitenwege und Trampelpfade ließen nur den Schlamm zwischen Rad und Schutzblech kommen und ich stand wieder vor Zäunen und sehe Schilder die eindeutig auf eine Tierjagd hindeuten. Während ich Hasen und Rehe vor mir sehe, geht die Sonne bereits unter.

Während der Durchfahrt sah ich wenige Kilometer vorher ein einsames Haus. Also entscheide ich mich verzweifelt dorthin zurück zu fahren.

Glücklicherweise treffe ich dort eine junge Dame. Ich fragte sie, in was ich hier herein geraten war und warum alles abgeschlossen ist. Sie erklärte mir, dass ich mich in einem Jagdgebiet aufhalte und um diese Tageszeit Wild geschossen wird. Allerdings, an einem Sonntag wie heute, ist kein Betrieb. Ich hatte Glück, ansonsten hätte sich eine Gewehrkugel verirren können 😀

Sie erklärte mir, dass das Haus ein neues Hotel für Kunden ist, aber erst in ein paar Tagen eröffnet. Sie überlässt mir kurzerhand ohne Kosten ein Doppelzimmer, kann also dort die Nacht verbringen und am nächsten Morgen das Gebiet verlassen.

Zutiefst zufrieden über diese glückliche Wendung freue ich mich auf ein richtiges Bett 🙂

 

Von Sveshtari nach Madara / 100 km – 1.160 hm

Ein warmer sonniger Tag erwartet mich und ich fliehe bereits im frühen Morgen aus dem Jagdgebiet, bevor ich fälschlicherweise für ein leichtes Opfer gehalten werde und eine Kugel kassiere 😉

Über die Stadt Schumen fahre ich zum UNESCO Weltkulturerbe Madara Rider. Die Strecke ist angenehm und ich finde einen Campingplatz auf der Wiese eines Kuhbauern, der mein Zelt mit „moderna moderna“ begutachtet.

Sehnsüchtig freue ich mich bereits auf den nächsten Tag wenn es endlich gen Meer geht.

Von Madara nach Warna / 80 km – 570 hm

Strand und Meer – here I am!

Heute komme ich an Bulgariens bekannter Schwarzmeerküste bei Warna an. Doch zuerst sollte ich hin gelangen und das über die Autobahn!
Über die Autobahn? Genau so skeptisch war ich zu Beginn auch und nach meiner Odysee in Italien, wollte ich den Tipp, den ich in Russe bekommen habe, erst nicht wahrhaben.

Tatsächlich war es die beste Entscheidung ab Kaspitschan die Auffahrt zu nehmen. Denn nicht nur mündet die Landstraße E772 sowieso in der neuen A2, sondern sie ist auch zweispurig auf jeder Seite und hat, für mich als Fahrradfahrer, einen durchgehenden Standstreifen. Im Gegenzug wurden mir bei Ankunft von der Alternativroute von LKWs und Schlaglöchern berichtet.

Auf dem Weg biege ich noch nach Pobiti Kamani ab, einem besonderen Naturphänomen.

Von Warna nach Kaliakri / 104 km – 940 hm

Endspurt in Bulgarien!

Kurz vor der Staatsgrenze geht es über den bekannten Goldstrand nach Kaliakri. Dort finde ich meinen bis dahin spektakulärsten Wildcampingplatz direkt an der Schwarzmeerküste.

Ich werde sentimental, Bulgarien war das Land, das mich zu Beginn sehr geschockt, dass ich aber auch sehr schnell schätzen gelernt habe. Die Menschen waren durchweg gastfreundlich und die Landschaft genial. Zwar gibt es keine Radwege, dafür war das Feeling einfach Abenteuer.

In wenigen Kilometern beginnt ein neuer Eindruck, nämlich in Rumänien.

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