Bella Italia – Der Südwesten Siziliens

Agrigento - Tal der Tempel

Bella Italia – auch bei deiner Fahrradreise?

Auf jeden Fall! Italien – in diesem Beitrag die Südwestküste Siziliens – hat vieles zu bieten was sich der Radreisende wünscht und abgesehen von der abwechslungsreichen Landschaft und der typischen Städtearchitektur die wir kennen und lieben, bleibt auch das Kulinarische nicht auf der Strecke. Gleich lest ihr, auf was ihr euch bei eurer Fahrrad Tour einstellen könnt und welche Highlights euch erwarten. Los geht’s!

Die Städte

Die Städte Siziliens überzeugen durch ihre typische Architektur. In jedem noch so kleinen Dorf gibt es eine Chiesa und meist einen kleinen Park in der Nähe. Somit ist es auch fast überall möglich eine kleine Pause mit schöner Aussicht zu halten. Bei den Wohnhäusern erschloss sich mir auf der Fahrt jedoch folgendes nicht ganz: Die alten Häuser haben einen sehr „rustikalen“ Eindruck (um das Wort „verfallen“ nicht zu benutzen) es wird jedoch überall neu gebaut. Das die Fassade renoviert wird, habe ich nur sehr selten gesehen. Allgemein scheint sich Sizilien in einem Bau-Boom zu befinden, denn beinahe in jeder Stadt werden fleißig neue Häuser, Hotels oder Bungalows hochgezogen.

Pachino

Pachino ist bekannt für seine Tomaten, die rund um den Ort besonders gut wachsen. Dies erkennt man auch daran, dass auf dem Weg in die kleine Stadt (ca. 22.000 Einwohner) einige Plantagen die Umgebung schmücken. Der Stadtkern befindet sich einen guten Aufstieg in ein paar steilen Höhenmetern auf einer Anhöhe. Von den kleinen Gassen heraus hat man einen schönen Blick auf das Meer. Ich scheine nur so mit meinem Café beschäftigt gewesen zu sein, dass es für ein Foto nicht mehr gereicht hat.

Pozzallo

Ähnlich groß wie Pachino ist Pozzallo und liegt 30 km westlicher. Ein kleines Fischerdörfchen mit einer für diese Größe doch recht schicken Einkaufsstraße, die sich durch den Ort zieht. Es gibt eine Strandpromenade und wenn die Temperaturen es zulassen, Möglichkeiten zum Schwimmen, Sonnenbaden und Beachvolleyball. Strandbars und Restaurants waren auch bereits geöffnet und mir persönlich hat der Ort sehr gut gefallen, weil er noch als Geheimtipp gelten könnte und noch nicht den typischen touristischen Touch hat. Ein in meinem B&B wohnhafter Schweizer wollte vermutlich deswegen hier sein Herbst- und Frühingsdomiziel kaufen, wie er mir im Gespräch verriet.

Agrigento

An Agrigento hatte ich höhere Erwartungen als bei den anderen Städten, die sagen wir mal, teilweise erfüllt wurden. Die Erwartungen waren deswegen hoch, weil es die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist und mit 60.000 Einwohnern doch ziemlich groß ausfällt. Zudem liegt hier das bekannte „Tal der Tempel“, ein Landschafts- und Archeologiepark, der 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Kommen wir zur Stadt, denn hier war ich leicht enttäuscht. Das Stadtbild von Agrigento zeichnet sich vom Großteil durch Hochhäuser aus, bei denen der Eindruck entsteht, jeder wollte vor dem anderen sein Haus hochziehen um den besseren Blick auf das Tal zu haben. Der Dom und die kleinen Kirchen sind schön, allerdings kein „Must-Do“, zudem wurde der Doms gerade renoviert, war also nur zu kleinen Teilen begehbar. Das Tal der Tempel jedoch ist mit seinem Eintrittspreis von 10 Euro in Ordnung. Die Anlage ist Groß genug und es gibt neben den Tempeln und alten Stadtmauern noch Schraubenziegen die sehr selten sind. Zudem befindet sich im Anschluss noch ein schicker botanischer Garten.

Gela

Gela habe ich aufgrund der günstigen Entfernung von Agrigento als nächsten Stop gewählt, ohne mich vorher über den Ort zu informieren. Wenn ich dir einen ernst gemeinten Rat geben darf – fahr an Gela vorbei! Ehrlich, hier gibt es nichts was dich zu einer Übernachtung bewegt. Das Stadtbild ist industriell geprägt, hier gibt es eine nicht mehr genutzte Ölraffinerie, die mittlerweile nur noch als Zwischenlager genutzt wird und allgemein ist sie sehr heruntergekommen. Überraschenderweise sind die B&B hier sehr teuer und deswegen hatte ich auch bisher hier die teuerste Unterkunft. Ich war froh als es am nächsten Tag weiter ging.

Sciacca

Wow – hier war ich positiv überrascht! Die Hafenstadt mit seinen 40.000 Einwohnern empfängt einen beim Einfahren bereits mit einem schönen Stadtpark und vier Streetfood Trucks, die fest installiert sind. Für einen ausgehungerten Radler genau das Richtige! Neben dem kulinarischen Willkommensgruß ist der Hafen von der Stadt aus zu sehen und wird am Abend stimmungsvoll beleuchtet. Der Stadtdom und seine ins Stadtbild intrigierte Stadtmauer, passen einfach top und geben das gewisse Flair. Sciacca ist zudem bekannt für sein Thermalbad.

Die Fahrradwege

Fahrradwege? Die suchten mein Navi und ich vergebens. Zwar befindet sich die Strecke des Eurovelo 7, die sogenannte Sonnenroute, in Planung, aber Bundesstraßen, die sogenannte Strada Statale oder Landstraßen Strada Provinciale habe ich am meisten befahren. Mein Navi leitete mich auch immer wieder über kleine Nebenstraßen. Was gut tut, denn obwohl die Strada Statale außerhalb der größeren Städte kaum befahren wurde, ist sie doch etwas monoton. Aufpassen solltest du allerdings wenn es regnet bzw. die Tage zuvor geregnet hat. Es bilden sich schnell straßenbreite Pfützen, die dann zu einer Schlammstraße werden.

Und die Autofahrer?

Tatsächlich muss ich die als „Chaosfahrer“ bekannten Italiener lobend erwähnen, denn: Rücksicht auf Radfahrer nehmen sie! Der Abstand beim vorbeifahren war immer gut und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Blicke der Fahrer eher respektvoll audrücken „Wow –  der fährt hier mit dem Fahrrad!“. Zwar hupen einige Autofahrer merklich kurz und leicht, aber das interpretiere ich das als Signal, dass sie hinter mir sind und zum überholen ansetzen.

 Der kulinarische Abschluss

Was vermutlich ganz Italien in Perfektion zu bieten hat ist Kaffee. Der bei uns bekannte Espresso ist hier an jeder noch so kleinen Bar ein perfekter Schluck sumpfig brauner Genuss. Als bekennender Kaffee Süchtling komme ich hier natürlich voll auf meine Kosten und gleichzeitig ist er auch noch so günstig! Mit meist 0,90 Euro lacht der Schwabe in mir. Auf zwei Besonderheiten der Sizilieanischen Küche möchte ich noch eingehen. Zum einen Arancine: Frittierte Reiskugeln mit unterschiedlichen Füllungen wie Ragout oder Schinken Mozzarella. Sehr lecker und interessant zu essen, da sie auf den ersten Blick wie Orangen aussehen. Das andere sind Pasticini, kleine Gebäckkreationen die es an jeder Ecke gibt.

Ich hoffe ich konnten dir einen Eindruck über den Südwesten Siziliens geben und vielleicht sogar deine Fahrrad Reise bereichern. Im nachfolgenden Video habe ich dir noch ein paar Eindrücke zusammengefasst. Ich wünsche dir viel Spaß auf deiner eigenen Reise, alles Gute dein Tim

Kommentare

  1. Christine

    Hallo Tim,

    dein Bericht liest sich klasse, toll beschrieben. Da bekommt man Lust auf Italien. Freut mich das du so einen tolle Zeit hast. Weiter so. Freu mich schon auf weitere Berichte.

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